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Die Chronik des Turn- und Sportverein Bockenau 04 e .V.
Der 75. Geburtstag ist in einem Verein wie im Leben des Einzelnen ein Abschnitt, der dazu anhält, Rückschau zu halten, Höhen und Tiefen Revue passieren zu lassen, und auch das Geleistete zu bewerten.
Das vom Schriftführer jedes Vereins geführte Protokollbuch bildet normalerweise die Grundlage für eine zusammenfassende Chronik. Aber erst ab 1959 konnte bei uns darauf zurückgegriffen werden, frühere Aufzeichnungen sind nicht mehr auffindbar. Dagegen sind die Kassenbücher lückenlos ab der Gründung 1904 vorhanden. Auch hatte der Verein in seiner bisherigen Geschichte noch keine Festschrift herausgegeben, die hätte fortgeschrieben werden können. So bildeten die Kassenbücher wesentliche Grundlage für die Festschreibung der Vereinsgeschichte. Unverzichtbar waren daneben aber auch die mündlichen Überlieferungen unserer älteren Mitglieder. Hier kam zustatten , dass im Jahre 1971 die damaligen Ehrenmitglieder die Geschichte unseres Vereins auf Tonband sprachen. Dieses Tonbandgespräch konnte jetzt ausgewertet werden und gab weitere wertvolle Hinweise. Schließlich erwiesen sich Bilder, die uns aus der Bevölkerung zur Verfügung sowie der Allgemeinen Zeitung als wertvolle Quellen. Allen, die mit zur Erstellung der Chronik - die keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erhebt - beigetragen haben, sei daher herzlicher Dank. Sollte dem einen oder anderen Leser dieser Abhandlung noch Wissenswertes zur Vereinsgeschichte bekannt sein, so werden Hinweise gerne entgegengenommen.Unter diesem Motto breitete sich etwa ab 1850 die Turnerei in den Städten und später auch auf dem Lande aus. Als großes Vorbild galt damals der Berliner Gymnasiallehrer Friedrich Ludwig Jahn ( 1778 - 1852 ), der als "Turnvater Jahn" in die Geschichte einging. Ein Auszug aus der Festschrift des Turnvereins Heddesheim (heute Guldental) aus dem Jahre 1914 verdeutlicht treffend die Idee zur Gründung von Turnvereinen zur damaligen Zeit. "Die jungen Bauernsöhne haben wohl körperliche Bewegung genug, aber sie ist zu einseitig und häufig die Ursache der vielgerügten Ungelenkigkeit und Steifheit. So wie die Turnerei dem Stubenmenschen der Stadt, den sein Beruf zum Stillsitzen zwingt, willkommene körperliche Anstrengung und damit Erholung und Gesundung der erschlafften Nerven bringt, so bringt sie dem Bauer, der einseitig gewisse Körpermuskeln gebraucht, eine Entlastung dieser und eine Belastung anderer Muskeln, wodurch eine harmonische Gesamtentwicklung des ganzen Körpers gewährleistet wird. Außerdem wird seine Energie und sein Selbstvertrauen geweckt und gestärkt." An der Nahe waren bereits vor 1904 eine ganze Reihe von Turnvereinen gegründet worden, so MTV Bad Kreuznach, VfL Bad Kreuznach, Turnverein Sobernheim, Turnverein Waldböckelheim. Einige Bockenauer, vor allem die, die auswärts arbeiteten oder auf die "Höhere Schule" gingen, wirkten bereits in diesen Vereinen, vor allem in Sobernheim und Waldböckelheim mit. Nichts war naheliegender, als dass sich eines Tages in unserem damals immerhin 1.000 Einwohner zählenden Dorf Stimmen regten, neben dem 1867 gegründeten Männergesangverein "Concordia" und dem Kriegerverein in Bockenau ebenfalls einen Turnverein zu gründen.
Die Anfänge
Im Jahre 1904 war es so weit. In der Bahnhofswirtschaft von Karl Geib trafen sich sportbegeisterte Bockenauer Männer. Namen wie Förster Paul Wolf, Bäckermeister Peter Geib, Dachdeckermeister Jakob Herrmann, Anstreichermeister Peter Köhler, Weinhändler Johann Lipps, Schumachermeister Johann Viehmann, Friseurmeister Johann Schneider, Bäckermeister Heinrich Geib, Weinhändler Franz Schäfer IV, Maurermeister Kaspar Spira, Weinhändler Heinrich Desch sen., Gastwirt Fritz Kessel, Kaufmann Jakob Stephan, Fuhrunternehmer Johann Lüttger, Kaufmann Karl Peitz, Lehrer Jung, stehen am Anfang des "Turnvereins Bockenau 04", wie unser Verein damals hieß. 1.Vorsitzender wurde in der Gründerversammlung in der Bahnhofswirtschaft (Bild), das auch als erstes Vereinslokal gewählt wurde, Förster Paul Wolf, Kassierer wurde Jakob Stephan, Lehrer Jung wurde 1. Schriftführer und Franz Schäfer IV bekleidete das Amt des Turnwarts. Etwa 40 Mitglieder zählte der Verein kurz nach seiner Gründung. Das Eintrittsgeld betrug für "Zöglinge", das waren Mitglieder bis zu 18 Jahren, 1 Mark, für Erwachsene 2 Mark. Der monatliche Beitrag betrug 25 Pfennige, ein stolzer Betrag, wenn man zum Vergleich den Stundenlohn eines Tagelöhners von damals mit 36 Pfennigen heranzieht Um die Gründung des Vereins auch nach außen hin zu dokumentieren, wurden erste Ausgaben des Kassierers für den Ankauf von Briefbögen mit dem Namen des Vereins zu 15 Mark, ein Vereinsstempel zu 3 Mark (Bild), Turnlehrbücher zu 16,40 Mark, Vorstandsabzeichen zu 5,05 Mark und Vereinsabzeichen zu 37,70 Mark getätigt. Zwei Schwerpunkte bildeten sich in den ersten Jahren der sportlichen Bestätigung des Vereins: das Turnen an Pferd, Barren und Reck, die Leichtathletik mit Laufdisziplinen, Weitsprung, Hochsprung und Kugelstoßen. Notwendige Geräte schaffte der junge Verein nach und nach an, regelmäßiger Übungsbetrieb wurde im Saale des Vereinslokals sowie auf dem Turnplatz an der Straße nach Winterburg abgehalten. Eine versäumte Übungsstunde wurde mit einem Strafgeld von 10 Pfennigen belegt. Üblich war es, die Turnveranstaltungen innerhalb des Turngaues, der von Idar-Oberstein bis an den Rhein reichte, zu besuchen. Mancher Eichenkranz mit Urkunde wurde mit nach Bockenau gebracht. Wiederholt wurden die Orte Staudernheim, Simmern unter Dhaun, Bad Münster, Bergen Sprendlingen, Sobernheim und Waldböckelheim zu Turnfesten aufgesucht. Eine Besondere Ehre war es, bei den alljährlichen Gauturnfesten unter mehreren Hundert Wettkämpfern dabei zu sein und dann einen vorderen Platz zu belegen. Die vom Verein als Kampfrichter oder Wettkämpfer entsandten Mitglieder erhielten aus der Vereinskasse "Spesen", je nach Entfernung von zwei bis sechs Mark.
Auch auf kulturellem Gebiet wurde der Verein bald nach seiner Gründung tätig. Am 30.09.1904 bereits wurde ein Theaterstück zum Preis von 32,40 Mark gekauft und am 27.11.1904 im Saal des Vereinslokals aufgeführt. 143 Personen bezahlten auf dem 1. Platz einen Eintritt von je 50 Pfennigen, 140 auf dem 2. Platz je 30 Pfennige. Alljährlich wurden diese Theateraufführungen, die auch die spärlichen Einnahmen des Vereins auffrischen halfen, regelmäßig am 1. Januar eines Jahres, wiederholt. Kaisers Geburtstag am 28. Januar eines Jahre wurde mit den anderen örtlichen Vereinen gefeiert, im Juli oder August wurde eine öffentliche Turnveranstaltung abgehalten. Theater gespielt wurde auch in den Nachbargemeinden Winterburg, Eckweiler, Gebroth und Pferdsfeld.
Wie eine Ausgabe des Kassenbuches vom Februar 1907 beweist, wurde auch die Musik gepflegt, Trommeln und Pfeifen wurden für 61 Mark angekauft. Ei Musiklehrer aus Bad Kreuznach namens George wurde verpflichte, ein Fanfarenzug aufgebaut.
Die erste überörtliche Veranstaltung führte der junge Verein im Jahre 1909 mit der Fahnenweihe am 9. Juli durch. Ein Verein ohne Fahne war in der damaligen Zeit wie ein Auto ohne Motor. Sie gehörte als Symbol dazu. Die Fahne - in schlechtem zustand heute noch erhalten - kostete damals den stolzen Preis von 396,85 Mark. Jedes Mitglied musste neben seinem Beitrag eine Betrag von 50 Pfennigen als Fahnengeld bezahlen. Die Spenden machten den Löwenanteil bei der Finanzierung aus. Insgesamt 410,76 Mark - mehr als die Fahne kostete - wurden eingenommen, darunter eine Spende vom Kriegerverein mit 3,50 Mark und 20 Mark von der Gemeinde Bockenau. Insgesamt 803 Turner waren damals in Bockenau, um sich in den verschiedensten Disziplinen zu messen. Folgende Annonce für das Fest erschien am 1. Juli 1909 im "Öffentlichen Anzeiger", gefolgt von einem kleinen Vorbericht am 2. Juli 1909 sowie einem Bericht über das Fest am 6. Juli 1909. Das Fest stand im "Kappesacker" statt, der erwähnte Vorsitzende war damals Karl Peitz.
Ein weiteres großes Ereignis für alle örtlichen Vereine war die Enthüllung des Kriegerdenkmals am 21. Juli 1912, des ehemals auf der "Wied", heute in den Anlagen am Friedhof steht. In der Zeit des 1. Weltkrieges von 1914 - 1918 führte der Verein keine eigenen Veranstaltungen durch, wie die "Spesenabrechnungen" aber zeigen, fanden in den umliegenden Gemeinden nach wie vor bis zum Jahre 1917 Turnveranstaltungen statt, die Front war weit weg. Das Beitragsaufkommen betrug im ganzen Jahre 1917 nur 37 Mark.
Zwischen zwei Weltkriegen
Bereits am 1.1.1919 wurde der Verein wieder ins Leben gerufen, Turnfeste wurden besucht, Theater gespielt. Weggefallen waren infolge des verlorenen Krieges die Feiern zu "Kaisers Geburtstag". Die Inflation machte sich bemerkbar. Der Monatsbeitrag wurde zunächst auf 1,80 Mark angehoben, am 1.1.1922 betrug der Kassenbestand 4.000 Mark. Kostete das Vereinsabzeichen vor dem Kriege noch 40 Pfennige, so stieg der Preis jetzt auf drei Mark, die "Spesen" auf 30 Mark. Der Eintritt am Theaterabend am 1. Januar 1922 betrug 2.416,50 Mark, ein Kranz kostete 150 Mark. Die Entwicklung der Inflation wird am besten deutlich, wenn man die Gebühren des Polizeidieners Johann Ernst für das Ausschellen heranzieht:
Vor dem Krieg 1,-- Mark Oktober 1920 1,50 Mark Januar 1921 3,-- Mark 30. April 1922 5,- -Mark 26. August 1922 10,-- Mark 17. Dezember 1922 20,-- Mark 04. April 1923 100,-- Mark 10. Juni 1923 200,-- Mark 08. September 1923 5.000,-- Mark 19. Juni 1924 1.000.000.000.000,-- Mark 28. Dezember 1924 1,50 Mark
Nun, der Verein hat auch diese Zeit gut überstanden. Die Aktivitäten standen in großer Blüte. Keine Veranstaltung außerhalb oder innerhalb des Dorfes fand ohne die Sportler von Bockenau statt. Sogar die "Deutschen Turnfeste" in Köln, Breslau und Stuttgart wurden von Abordnungen des Vereins wie Fritz Kessel, Philipp Viehmann, Franz Schäfer und Rudolf Lüttger besucht.
Etwa 1928 schlossen sich ein Teil der Turner sowie Nichtmitglieder zu einem Fußballverein zusammen, etwa 2 Jahre wurde auf dem provisorischen Sportplatz "Auf der Heide" gespielt, um dann als Handballer wieder in den Verein integriert zu werden. Zwei Männermannschaften nahmen an den Meisterschaftsspielen teil.Der Höhepunkt im Vereinsleben war 1929 das 25-jährige Vereinsjubiläum verbunden mit dem Bezirksturnfest in Bockenau. Das Jahr 1933 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten brachte nach und nach das Vereinsleben zum Erliegen. Die lückenlose Organisation der Buben und Mädchen, Männer und Frauen in den NS-Organisationen Hitlerjugend, Jungvolk, NS-Frauenschaft, Bund deutsche Mädchen, SA und SS, die Einberufung der jungen Männer zum Reichsarbeitsdienst und zur Wehrmacht ließen keine Raum mehr für das Vereinsleben. Ab 1936 ruhte der Verein vollständig, dem Jahr, wo andererseits Deutschland nach Abschluß der Olympischen Spiele in Berlin die erfolgreichste Sportnation der Welt wurde.
Der Neuaufbau
Nachdem der furchtbare Krieg 1945 sein Ende gefunden hatte, herrschte im ganzen Land Angst, Not und Elend. Für die Menschen gab es zunächst drei lebenswichtige Dinge: Nahrung, Kleidung und Wohnraum. Doch schon 1947, die Kriegsgefangenen kamen nach und nach heim, regten sich in unserem Dorf die ersten Stimmen, bald einen neuen Anfang zu machen. Im Juni 1948 war es soweit, Rudolf Jost und Arthur Schwarz, Philipp Viehmann, Heini Desch - um nur einige Namen zu nennen - waren die Initiatoren zum Neubeginn. In der Versammlung im Vereinslokal Karl Geib wurde der Name des Vereins in Turn- und Sportverein Bockenau erweitert. Der Fußball war jetzt als fester Bestandteil in den Verein aufgenommen worden. Zunächst war der neu gebildete Vorstand von den französischen Besatzungstruppen nicht genehmigt worden, es durften nur Männer und Frauen ein Amt bekleiden, die politisch durch die NS-Zeit nicht belastet waren. Nachdem diese Hürde genommen war, machte sich der neue Vorstand gleich an die Arbeit. Bereits im Oktober des gleichen Jahres wurde das 1. Kreisturnfest nach dem Kriege "in der Herrenwiese" durch den Bockenauer Verein ausgerichtet. Die Bockenauer Turner waren wieder aktiv zu Stelle. Im gleichen Jahr bildete sich aber auch die 1. Fußballabteilung des Vereins. Eine 1. und 2. Herrenmannschaft nahm an den Meisterschaftsspielen teil.
Da anfangs kein geeigneter Sportplatz zur Verfügung stand, spielte man einmal hier, einmal dort auf einer Wiese oder auch nur auswärts. Die Notwendigkeit eines Sportplatzes in Dorfnähe wurde allgemein anerkannt. Eine Kommission nahm Gelände in Augenschein, so "auf der Hub", in "Tiefenthal", auf dem "Rurnacker" und "In der alten Bach". Dieses Gelände schien dann auch das geeignetste zu sein. Der Grunderwerb wurde getätigt. Da der Verein aus der Zeit vor dem Kriege kein Vermögen erhalten konnte, wurde 1948 praktisch mit Null angefangen. Doch insgesamt 5.000,-- Mark mussten für den Grunderwerb aufgebracht werden. Man kam auf den Gedanken, sogenannte "Anteilscheine" in der Bevölkerung zu verkaufen. Von Haus zu Haus zogen Beauftragte des Vereins und verkauften Bausteine von je 5 M, der Kaufpreis wurde zusammengebracht. Besonders sind hier Heine Desch und Rudolf Lipps zu erwähnen, die nicht nur die Grundstücksverhandlungen führten, sondern auch eigenes Gelände zu Tausch zur Verfügung stellten. Im Frühjahr 1949 wurde mit dem Bau begonnen, bereits am 19. Juni 1949 konnte der Platz, der in Eigenleistung hergerichtet wurde, eingeweiht werden. Während der Fußball in den folgenden Jahren immer wieder neue Höhen erklomm, so 1955 der Aufstieg in die B-Klasse und 1960 der Aufstieg in die A-Klasse, kam bis 1955 die Turnerei völlig zum Erliegen. Nur der Fußball zählte im Verein.Vorstand, Südwestdeutscher Fußballverband und Gemeinde wurden sich in langen Verhandlungen darüber einig, einen neuen Sportplatz zu bauen. Das Gelände "Hinter Hallgarten" wurde als geeignet befunden. Die Kosten sollten ursprünglich 23.000 DM betargen, eine Pioniereinheit der Amerikanischen Streitkräfte wollte die Erdarbeiten in dem hängigen Gelände nur gegen Verpflegung der Soldaten kostenlos ausführen. Im Vertrauen darauf wurde das Sportplatzgelände zu Preise von 12.000,-- DM der Firma Hay verkauft und als Übergabetermin der 31.12.1964 vereinbart. Zweieinhalb Jahre Bauzeit standen bis dorthin zur Verfügung. Im Herbst 1962 rückten die Amerikaner an und mussten bereits nach zwei Wochen die Arbeiten wieder beenden, da man unerwartet auf Fels gestoßen war und Sprengungen erforderlich wurden. Bis zum 30.09.1967 dauerte es, bis der neue Sportplatz zum 1. Mal bespielt werden konnte. In der Zwischenzeit waren 5 verschiedene Firmen, zuletzt Pioniere der Bundeswehr sowie ehrenamtlich die Sprengmeister des Bockenau Steinbruchs mit den Arbeiten beschäftigt. Von 1965 bis zur Fertigstellung des neuen Platzes konnte dankenswerterweise der Sportplatz des VfL Sponheim genutzt werden. 1969 schließlich wurde der Sportplatz aus Mitteln des "Goldenen Planes" endgültig ausgebaut und mit eine Hartpatzdecke aus roter Erde versehen. Kosten von etwa 150.000 DM - ohne Eigenleistung - waren entstanden.
Vor allem auf karnevalistischem Gebiet war unser Verein in den sechziger Jahren in Bockenau führend. Die alljährlichen Kappensitzungen waren schon lange vor Beginn ausverkauft. Ebenfalls fehlte der Turn- und Sportverein nicht bei den damals noch üblichen Kirmesumzügen. 1968 war das Jahr, in dem der Verein mit der Bildung neuer Abteilungen und Mannschaften den Grundstock für die heutige Größe des Vereins legte. Eine AH-Mannschaft sowie eine Damengymnastikgrippe wurden ins Leben gerufen, bald gefolgt von Kinderturngruppen. Der neue Sportplatz erforderte mannigfache ehrenamtliche Arbeit, Wasser, Kanal und Strom mussten gelegt, ein Ballfang errichtet werden. Kaum waren diese Arbeiten beendet, wurde eine Trainingsbeleuchtung mit vier Masten sowie 1972 eine Holzbude aufgebaut, die als Geräteschuppen und Verkaufsstand für Wurst und Bier diente. Damals bereits wurden auch erste Pläne für Das 50-jährige Vereinsjubiläum wurde am 26. und 27. Juni 1954 gefeiert, der Kassierer vermerkte 2.863,20DM an Festeinnahmen. Vorübergehend war dem Verein von 1956 - 1960 eine Tischtennisabteilung angegliedert. Etwa ab 1962 wurden die Sorgen des Vereins auf den Sportplatz gelenkt: Alljährlich im Frühjahr zur Zeit der Schneeschmelze stand der Sportplatz oft wochenlang unter Hochwasser des vorbeifließenden Ellerbachs. Meist mussten die Fußballspiele in Winterbach ausgetragen werden. Hinzu kam, dass der Bau einer Umgehungsstrasse für die Firma Hay am Sportplatz vorbei geplant war und hierfür Gelände des Platzes benötigt wurde. Aus diesem Grunde wurde auch der ursprünglich vorgesehene Plan, den Sportplatz durch Auffüllen um etwa 1 Meter gegenüber dem Niveau des Ellerbachs anzuheben, fallengelassen. Ein festes Vereinsheim mit allen sanitären Anlagen und einem Aufenthaltsraum entworfen, das notwendige "Kleingeld" fehlte allerdings noch. Doch dies wurde schon bald verdient: Veranstaltungen in der Sommerzeit im Dreschschuppen sowie ab 1973 in der Turnhalle, die endlich auch für gesellige Veranstaltungen benutzt werden durfte, schafften einen finanziellen Grundstock. Das Angebot, eine gebrauchte Bürobaracke für 11.000 DM kaufen zu können und als Vereinsheim zu nutzen, wurde schnell angenommen. Im Juni 1975 wurde mit dem Bau begonnen, wobei der untere Teil in herkömmlicher Bauweise errichtet und dann das Holzfertighaus darauf gesetzt wurde. Bereits nach 6-wöchiger Bauzeit konnte die Kirmes 1975 im Sportheim gefeiert werden. Beinahe vollständig wurde das Haus in Eigenleistung gebaut, eine Spendensammlung von 13.000 DM in der Gemeinde Bockenau war wesentlicher Bestandteil der Finanzierung. Im Juni 1977 konnte das Haus feierlich eingeweiht werden , 84.000 DM waren verausgabt worden. Im Jahr zuvor wurde ebenfalls eine Einweihung gefeiert, nämlich die des Spielplatzes, der mit Unterstützung des "Vereins zur Förderung von Kinderspielplätzen" und der Gemeinde gebaut wurde. 1978 konnte dann der 1. Tennisplatz mit Übungswand und anlässlich des 75-jährigen Vereinsjubiläums an Pfingsten 1979 der 2. Tennisplatz mit Schutz- und Gerätehütte eingeweiht werden. Diese immense Arbeit in den letzten 10 Jahren, in denen der Mitgliederbestand von 130 auf nahezu 600 anstieg, bedingt vor allem durch die weitere Öffnung des Vereins hin zum Breitensport mit Tischtennis, Volleyball und Wandern, war nur einem guten Geist der Mitglieder zu verdanken, die zu persönlichen Opfern und finanziellen Leistungen bereit waren. Die Gründung eine Schießsportabteilung im Herbst 1978 wurde in Angriff genommen, scheiterte aber, da niemand von den rund 20 Interessenten bereit war, die Verantwortung zur Führung der Abteilung in die Hand zu nehmen. Zum Schluß sei noch ein kurzer Ausblick auf die Zukunft erlaubt: Wir hoffen, dass dieses Vereinsjubiläum einen finanziellen Grundstock dafür schafft, dass eine langersehnte Kegelbahn an das Vereinsheim angebaut werden kann. Damit wollen wir den Verein weiteren Einwohnern, die keine der angebotenen anderen Sportarten ausüben können, öffnen und gleichzeitig für unsere jetzigen Mitglieder einen weiteren Ort der Geselligkeit schaffen. Die Oberdecke unseres Sportplatzes soll ebenfalls in diesem Jahr mit einem Aufwand von 20.000 DM renoviert werden. Dann haben alle Helfer und der Vorstand eine Ruhepause verdient, bevor die Zeit neue Aufgaben bringt. Über Pfingsten 1979 wurde an vier Tagen in einem 1.000 Personen fassenden Zelt auf dem Sportplatz das 75-jährige Vereinsjubiläum gefeiert. Es war ein glänzendes Fest, zu allen Veranstaltungen was das Zelt gut besetzt: Vom "Talentschuppen" am Freitag, über den "Bockenauer Heimatabend" am Samstag, dem Gottesdienst mit anschließendem Frühschoppen, nach dem Festzug und beim "Spiel ohne Grenzen" am Sonntag und schließlich am Pfingstmontag mit dem Gesangstar "Howard Carpendale". Auf dem freien Gelände des Sportplatzes war sogar ein großer Autoskooter aufgebaut. Aber es war auch ein Fest der gesamten Bockenauer Dorfgemeinschaft. Kein Verein fehlte, alle Einwohner sahen mindestens einmal vorbei. Viele Hundert Helfer/Innen waren im Einsatz. Doch nicht lange konnten die Hände in den Schoß gelegt werden. Die stürmisch wachsende Tennisabteilung verlangte nach einem 3. Platz, der 1983 eingeweiht werden konnte, das Tennisheim wurde grundlegend erweitert. Was die Frauen und Männer damals in der Tennisabteilung leisteten ist einmalig: in nur 5 Jahren wurden mit Hilfe von Spezialfirmen, aber größtenteils in Eigenleistung drei Tennisplätze, davon zwei mit Flutlicht, eine Übungswand und eingeräumiges Funktionshaus gebaut. Eine wunderschöne Anlage an einem wunderschönen Platz ist entstanden. Aber auch das erst 1975 eingeweihte Vereinsheim, das schon bald wegen der starken Frequentierung aus allen Nähten platze, sollte erweitert werden. Ein Kiosk für die Außenbewirtung des Sportplatzes, ein weiterer Abstellraum, eine Kegelbahn und ein Sitzungszimmer sollten angebaut werden - die kleine Lösung. Dabei wurde überlegt, auch das Provisorium gedachte Holzobergeschoß des Vereinsheimes, das ehemals eine Bürobaracke war, komplett durch eine Massivbau zu erneuern - die große Lösung. Die Kostenschätzungen lagen zwischen 250.000,-- DM und 400.000,-- -DM. Doch es dauerte bis zum Oktober 1988 bis zögerlich mit dem Anbau begonnen wurde. Die große Lösung war zwischenzeitlich - da nicht finanzierbar - zu den Akten gelegt worden. Aber vieles andere kam plötzlich an Baumaßnahmen noch dazu. Wir hatten gerade mit dem Anbau des Kiosk und Sitzungszimmers genug zu tun, al in der Generalversammlung am 20. Mai 1988 über folgende weiteren Baumaßnahmen beschlossen werden musste: - der vom Bauamt geforderte Bau von ausreichenden Toiletten für die Gaststätte - der Fußboden des Obergeschosses (der Holzbaracke) war morsch und brach ein
- die Terrasse war derart undicht, dass es in die darunterliegenden Umkleidekabinen regnet
- die Gaseinzelöfen mussten durch eine Zentralheizung mit Warmwasserbereitung ersetzt werden
- alle forderten die Verwirklichung der Kegelbahn in Zusammenhang mit dem laufenden Anbau
- Schließlich musste der Sportplatz dringend saniert werden. Der Hartplatz war ohne Beregnungsanlage. Bei entsprechend trockenem Wetter konnte man die Spieler in den Staubfahnen gerade noch erahnen. Die Kostenschätzungen für alle diese Maßnahmen beliefen sich auf nahezu 1 Million DM. Für den Verein nicht finanzierbar. Dennoch herrschte im Verein ein unerschütterlicher Optimismus. Keine der Maßnahmen außer der "großen Lösung" Vereinsheim wurde auf Eis gelegt. Und viele packten an. Alleine an Materialkosten wurden in den Jahren 1992 bis 1994 rund 200.000,-- DM ausgegeben. Ein Darlehen von 100.000,-- DM musste aufgenommen werden. Die Kosten für die Sanierung des Sportplatzes mit Tennenaufbau und Einbau einer Beregnungsanlage mit rund 120.000,-- DM übernahm 1990 die Gemeinde als Eigentümer des Sportplatzes. 1993 konnten die zwei Kegelbahnen eingeweiht werden. Zwei statt der geplanten einen deshalb, da Sportkegeln vorgesehen war und nach Auflagen des Sportkegelverbandes zwei Bahnen vorgehalten werden mussten. Alles wurde nach und nach fertig. Einmal mehr konnte unter Beweis gestellt werden, dass eine intakte Vereinsgemeinschaft zu vielen großartigen Leistungen im Stande ist, wenn sie nur will. Und schon wieder hat un die Zeit eingeholt: das gesamte Vereinsheim besonders aber die Umkleidekabinen des Vereinsheimes bedürfen einer erneuten Renovierung, ebenso die drei Tennisplätze. Investitionen von rund 50.000,-- Euro sind erforderlich. Was auf sportlichem Gebiet in den letzten Jahren geschah, entnehmen Sie bitate den Berichten aus den einzelnen Abteilungen. Nur so viel sei noch ergänzt: Unter der Leitung von Harald Lensch war in den Jahren 1990 - 1993 eine Boxabteilung aktiv. Sogar ein Rheinland-Meister konnte mit Dirk Lensch gestellt werden. Mangelnde Aktive und mangelnder Nachwuchs führten leider zu einem Ende dieser Sportart in Bockenau. Ebenso erging es unserer einstmals hochklassig spielenden Volleyballabteilung. Auch hier musste die Abteilung mangels Nachwuchs im Jahre 1988 aufgegeben werden. Zu einer Abteilung "Sportkegeln" kam es leider nicht. Zwar wurde von den beiden Kegelbahnen rege Gebrauch gemacht, sich "sportlich binden" wollte sich aber niemand. Anfang der 90er Jahre kam der Fußball in eine Krise. Nicht mehr ausreichend Leistungsfähige und leitungsbereite Spieler standen zur Verfügung. Eine zwei Jahre dauernde Spielgemeinschaft mit dem VfL Sponheim wurde eingegangen, die letztlich aber an den Geldforderungen von Spielern und dem Trainer wieder scheiterte. Nach zwei mehr oder weniger erfolgreichen Jahren in eigener Regie kam der Fußball in der 1. und 2. Mannschaft mit Ende der Saison 1992/93 gänzlich zum Erliegen, lediglich eine Alte-Herren-Mannschaft trug noch die Farben des Vereins.Unser Fußballnachwuchs musste sich ebenfalls mangels eigener Betreuern nach anderen Vereinen in der Nachbarschaft umsehen, vor allem in Winterbach fanden sie eine neue Heimat. Sie werden dort bestens betreut. Erstaunlich ist andererseits, dass bei durchgeführten Straßenmeisterschaften in der Gemeinde sechs komplette Mannschaften nur mit Bockenauer Fußballern auflaufen können. Auch treffen sich seit Eröffnung der neuen Bockenauer - Schweiz - Halle im Oktober 1999 regelmäßig Sonntags gegen Abend eine ganze Anzahl von Jugendlichen, um dem geliebten Fußballsport nachzugehen. Apropos neue Bockenauer - Schweiz - Halle: Sie eröffnete dem Verein neue Möglichkeiten zu sportlichem Angebot. So wurde mit viel Erfolg eine Badmintonabteilung gegründet, Basketball kam nach anfänglicher Begeisterung bald wieder zum Erliegen, am geplanten Hallenhandball hatte niemand Interesse. Vor allem der Tennisnachwuchs kann im Winter in der Halle trainieren. Viele Fußball- und Badmintonturniere fanden in der Halle zwischenzeitlich statt, die Kunstradfahrer aus Hennweiler tragen hier ihre Meisterschaften aus. Insgesamt konnte das Raumangebot für Sport - vor allem in der Karnevalszeit - durch die 2. Halle für die Aktiven des Vereins erheblich verbessert werden. Der Verein kann stolz darauf sein, beide Hallen täglich mit seinen Aktivitäten zu füllen. Auch eine ganze Reihe von gesellschaftlichen Veranstaltungen konnte der Verein in der neuen Halle für sich, aber auch für Dritte, die eine Bewirtung suchten, ausrichten Dennoch bleibt festzustellen, dass es bei einzelnen Sportarten immer wieder ein auf und ab bei den Aktivitäten gibt, so dachten viele, dass die Wanderabteilung das diesjährige Vereinsjubiläum nicht überleben würde, aber gerade in den letzten beiden Jahren muß wieder eine zunehmende Aktivität festgestellt werden. Trotz dem Rückgang der Aktivitäten im Fußball hat die Mitgliederzahl des Ge-samtvereins nicht gelitten: Zum 31.12.2003 zählt der Verein 701 Mitglieder, so viel wie noch nie in seiner Geschichte. Dabei sind eine ganze Reihe von Mitgliedern aus Gemeinden der Umgebung, die das Sportangebot in Bockenau nutzen. Wer aufmerksam die in dieser Chronik abgedruckte Übersicht der Zusammensetzung des Vorstandes in den letzten Jahrzehnten liest, muß feststellen, dass viele Mitglieder schon jahrzehntelang Vorstandsämter innehaben. Diese Kontinuität ist auch ein Garant des Erfolges des TSV Bockenau.
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